Auszubildende nicht allein lassen!

Martin Habersaat: "Nur sechs Länder gewähren bis heute keine Zuschüsse für Fahrtkosten, und vier Länder zahlen bis heute nichts für Unterbringung und Verpflegung. Schleswig-Holstein gehört zu beiden, obwohl die Bedeutung der beruflichen Bildung -zu Recht- in jeder bildungspolitischen Debatte betont wird!"

Bild: Michael August

Schleswig-Holsteinische Berufsschülerinnen und Berufsschüler, die eine länderübergreifende Fachklasse außerhalb Schleswig-Holsteins besuchen müssen, erhalten dafür keinerlei Unterstützung durch das Land. Dies ergibt sich aus der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage des bildungspolitischen Sprechers der SPD-Landtagsfraktion, Martin Habersaat (Drucksache 19/1472). Martin Habersaat erklärt dazu:

„2016 besuchten Auszubildende in nicht weniger als 130 von 326 anerkannten Berufen berufliche Schulen in anderen Bundesländern (neuere Daten waren nicht zu ermitteln). Von den insgesamt 1.659 Auszubildenden, die lange Fahrtwege zur Berufsschule auf sich zu nehmen hatten, besuchten 884 berufliche Schulen in Hamburg.

Zum Teil hat das etwas damit zu tun, dass die nächstgelegene Schule in Hamburg schneller erreichbar ist als ein entsprechendes Angebot in Schleswig-Holstein. In zahlreichen Fällen geht es aber darum, dass es für „seltene“ Berufe bildungsökonomisch nicht vertretbar wäre, eigene Fachklassen im Land einzurichten.

Dadurch entstehen sowohl Fahrtkosten als auch Kosten für Unterbringung und Verpflegung. Die Auszubildenden werden von ihren Herkunftsländern dabei in sehr unterschiedlichem Maße unterstützt; in jedem Falle müssen sie erhebliche Eigenanteile leisten.

Nur sechs Länder gewähren bis heute keine Zuschüsse für Fahrtkosten, und vier Länder zahlen bis heute nichts für Unterbringung und Verpflegung. Schleswig-Holstein gehört zu beiden, obwohl die Bedeutung der beruflichen Bildung -zu Recht- in jeder bildungspolitischen Debatte betont wird.

Das ist auf die Dauer nicht hinnehmbar. Das Land beziffert den Aufwand für alle betroffenen Schüler auf 1,7 bis 3,4 Millionen Euro. Das ist keine utopische Summe und wäre gut investiertes Geld zur Bewältigung des Fachkräftemangels. Hier könnte das schleswig-holsteinische Kompetenzwirrwarr mit zwei Ministerien, die irgendwie ja aber irgendwie auch nicht für die berufliche Bildung zuständig sein wollen, sich ruhig einmal positiv auswirken: Mit zwei Kabinettsmitgliedern, die sich an die Seite der Auszubildenden stellen!“