Lehrkräftemangel: 4 Fragen – 4 Antworten

Zur aktuellen Bertelsmann-Studie, die sich mit einem wachsenden Lehrer*innen Mangel beschäftigt haben wir mit unseren bildungspolitischen Sprecher ein kurzes Interview geführt.

Bild: Michael August

1. Die aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung kommt zu dem Schluss, dass in den kommenden rund zehn Jahren bundesweit fast 170.000 Kinder mehr an den Grundschulen sein werden, als bisher angenommen.  Alleine für SH ergibt das einen Mehrbedarf von ca. 380 Lehrkräften. Wie wollen wir dem begegnen und sind wir darauf vorbereitet?

Martin Habersaat: „Das Land stellt eigene Berechnungen an und ist von diesen Zahlen nicht völlig überrascht. Der Mehrbedarf trifft uns aber in einer Zeit, in der an vielen Schulen schon heute zahlreiche Stellen nicht mehr von ausgebildeten Lehrkräften besetzt werden können.“

 

2. Es bedarf also vieler neuer Stellen. Wie könnte man das finanzieren?

Martin Habersaat: „Die Finanzierung von Stellen ist momentan gar nicht das Hauptproblem, sondern die Besetzung der Stellen mit fertig ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrern. Die Jamaika-Koalition hat ein Maßnahmenpaket beschlossen, um die Stellen zu besetzen, muss aber feststellen, dass das Paket nicht ausreicht und schickt jetzt ein ums andere Päckchen hinterher.“

 

3. War das absehbar?

Martin Habersaat: „Lehrermangel ist in fast allen Bundesländern ein Problem. In Schleswig-Holstein kommt verschärfend hinzu, dass die Jamaika-Koalition den Stellenbedarf durch die Rückkehr zu G9 und das Hochsetzen der zu unterrichtenden Stunden – anstatt sich um die Qualität der unterrichteten Stunden zu kümmern – weiter erhöht hat, ohne die Besetzung der Stellen gewährleisten zu können. Es müssen ehrliche Zahlen auf den Tisch.

Maßnahmen wie die bessere Besoldung von Grundschullehrkräften werden auf Jahre gestreckt, das Versprechen, sich um die Arbeitsbelastung von Lehrkräften zu kümmern, erschöpft sich in der Empfehlung, Lärmschutzteppiche zu verlegen.“

 

4. Du bist selbst Lehrer und kennst den Alltag. Was ist das Beste an dem Beruf und was müssen wir tun, damit der Beruf attraktiv bleibt?

Martin Habersaat: „Für mich waren das Beste am Beruf meine Schülerinnen und Schüler und das Gefühl, jungen Menschen etwas für den Start ins Leben mitgeben zu können. Es gibt wenige Berufe, deren Sinn und Erfüllung so naheliegen. Verbessern müssen sich die Arbeitsbedingungen. Lehrerinnen und Lehrer in Schleswig-Holstein, obwohl hoch qualifizierte Fachkräfte, finden kaum angemessene Arbeitsplätze an den Schulen vor, haben bis heute keine Dienst-Emailadressen und brauchen Zeit und Raum, sich um ihre pädagogischen Kernaufgaben zu kümmern.“

 

Unsere Pressemitteilung zu dem Thema findest du hier:

Jamaika wird schweres Erbe hinterlassen