Die herkömmliche Wirtschaftstheorie stößt an ihre Grenzen

Heiner Dunckel: Die Regierungsparteien hatten in ihrem Koalitionsvertrag angekündigt, an einer der Universitäten in Schleswig-Holstein eine Professur für Plurale Ökonomik zu schaffen. Nachdem es im Mai 2019 noch Unklarheiten innerhalb der Koalition zu geben schien, habe ich zu diesem Thema eine Kleine Anfrage gestellt.

Heiner Dunckel Bild: Foto: Michael August

„Ich möchte vorschlagen, dass wir im Bildungsausschuss genauer besprechen, wie wir die Initiativen der EUF weiter stärken können und – falls Sie weiteren Professuren planen – alle Professuren so ausstatten können, dass sie nationale und internationale Strahlkraft erhalten.“

Heiner Dunckel

TOP 21: Errichtung einer Professur für „Plurale Ökonomik“ (Drs. 19/1745)

Rede aus dem Landtag

„Die Regierungsparteien hatten in ihrem Koalitionsvertrag angekündigt, an einer der Universitäten in Schleswig-Holstein eine Professur für Plurale Ökonomik zu schaffen. Nachdem es im Mai 2019 noch Unklarheiten innerhalb der Koalition zu geben schien, habe ich zu diesem Thema eine Kleine Anfrage gestellt. Nach dieser sollte sich die Professur in den Zielvereinbarungen mit den Hochschulen wiederfinden. Dort habe ich sie nicht gefunden?! Nun legt die Koalition mal wieder einen Antrag vor, der die Regierung zum Handeln auffordert. In der Sache ist das sinnvoll: Hunger, Umweltzerstörung, Klimawandel, Finanzmarktkrise, soziale Ungleichheit, Armut usw. – die (ökonomischen) Probleme sind vielfältig und verlangen neue Antworten, die in der gängigen, häufig eindimensionalen, neoklassischen bzw. marktliberalen VWL zu kurz kommen.
Wir brauchen deshalb eine neue „Plurale Ökonomik“, die sich u.a. durch

  • Methoden- und Theorienpluralismus und damit auch der Über-windung einseitiger neoklassisicher Modellökonomik,
  • Selbstkritik und Offenheit,
  • aber auch durch die Auseinandersetzung mit der geschichtlichen Entwicklung der Volkswirtschaftslehre und mit wichtigen wirtschaftsethischen sowie wissenschaftstheoretischen Fragestellungen auszeichnet.

Angesichts der tiefgreifenden sozioökonomischen Probleme und noch nicht lang vergangener Krisen wie der Finanzkrise 2008 ist es wichtiger denn je, dass wir Ausgewogenheit, Reflexion und Realitätsbezug auch in den Wirtschaftswissenschaften fördern und stärken. Deshalb begrüßen wir als SPD grundsätzlich die Einrichtung einer solchen Professur in Schleswig-Holstein. Die Europa Universität in Flensburg hat diese Herausforderung angenommen und im Rahmen des Tenure-Track-Programms des Bundes und der Länder eben eine solche (!) Professur für Plurale Ökonomik eingeworben. Die Ausschreibung dieser Professur wird nächste Woche im Senat der EUF behandelt und beschlossen, eine zügige Aus-schreibung und Besetzung der Professur ist geplant. Damit könnte der Antrag der Koalition bereits seine Erledigung gefunden haben. Allerdings wäre es hilfreich, wenn die doch sehr begrenzten Ressourcen dieser Professur von Seiten des Landes deutlich erhöht werden könnten und der EUF signalisiert würde, dass das Land nach einer erfolgreichen Evaluation die dauerhafte Finanzierung dieser Professur ab 2026/2027 übernimmt, damit an der EUF ein national und international sichtbarer und notwendiger Schwerpunkt aufgebaut werden kann. Dies wäre auch deshalb vernünftig, da die Pläne für die Professur in Flensburg bereits von der Deutschen Forschungsgemeinschaft positiv bewertet wurden. Die DFG hat in diesem Zusammenhang das hohe Qualitätsniveau und den bedeutenden Beitrag zur Nachwuchsförderung bestätigt. Vor diesem Hintergrund sind meine Fraktion und ich schon etwas verwundert darüber, dass die Regierungsfraktionen in ihrem Antrag die Europa-Universität gar nicht nennt. Dies ist bestimmt nur eine kleine Nachlässigkeit. Da ja noch einige Redner von Jamaika nach mir kommen, können Sie hier sicherlich für mehr Klarheit sorgen. Vielleicht wollen Sie aber noch eine weitere Professur für Plurale Ökonomik in Schleswig- Holstein schaffen? Nur zu – auch das würde unsere Zustimmung finden. Allerdings würde ich mir dann wünschen, dass die mit Mitteln des Bund-Länder-Programms geförderte Professur an der Europa Universität gestärkt und nicht durch ein Konkurrenzprojekt gefährdet wird. Ich möchte vorschlagen, dass wir im Bildungsausschuss genauer besprechen, wie wir die Initiativen der EUF weiter stärken können und – falls Sie weiteren Professuren planen – alle Professuren so ausstatten können, dass sie nationale und internationale Strahlkraft erhalten.“