Sonntagsöffnung: Falsches und gefährliches Signal!

Dr. Ralf Stegner: "Zweifellos gehören die Beschäftigten im Einzelhandel zu denjenigen, die eine große Belastung zu tragen haben. Viele schuften für uns alle, setzen sich insbesondere bei viel Kundenkontakt einem höheren Infektionsrisiko aus und müssen immer noch mit der fehlenden Kinderbetreuung kämpfen. Da bräuchte es schon sehr gute Gründe, den Beschäftigten auch noch zwei arbeitsfreie Sonntag zu nehmen."

Bild: Michael August

Zur geplanten Ladenöffnung an zwei Sonntagen im Mai erklärt der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Dr. Ralf Stegner:

„Zwei Sonntage im Mai zum Einkaufen zu öffnen ergibt wenig Sinn, sendet die falschen Signale und belastet die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auch noch zusätzlich. Zweifellos gehören die Beschäftigten im Einzelhandel zu denjenigen, die eine große Belastung zu tragen haben. Viele schuften für uns alle, setzen sich insbesondere bei viel Kundenkontakt einem höheren Infektionsrisiko aus und müssen immer noch mit der fehlenden Kinderbetreuung kämpfen. Da bräuchte es schon sehr gute Gründe, den Beschäftigten auch noch zwei arbeitsfreie Sonntag zu nehmen. Diese kann ich beim besten Willen nicht erkennen und wir teilen die Kritik der Gewerkschaften an den Plänen der Landesregierung. Das paternalistische Argument der Entzerrung ist fragwürdig, denn es gibt nach wie vor auch andere Zeiten – wie zum Beispiel am späten Abend – wo die Geschäfte hinreichend leer sind. Deutlich wahrscheinlicher ist, dass zwei zusätzliche verkaufsoffenen Sonntage eher als Rückkehr zur Normalität verstanden werden könnten und wir rappelvolle Einkaufszentren und Innenstädte erleben.

Diesen politischen Leichtsinn können wir uns überhaupt nicht erlauben, wenn wir vermeiden wollen, das sich der Gesundheitsschutz gerade für die besonders gefährdeten Gruppen verschlechtert und erfolgte Lockerungen womöglich wieder zurückgenommen werden müssen. Viel wichtiger für den Infektionsschutz ist es, dass die Landesregierung dafür sorgt, dass während der bestehenden Öffnungszeiten die Abstands- und Hygienevorschriften penibel eingehalten werden. Wenn wir jetzt übermütig werden und vieles zu schnell wollen, gefährden wir eine baldige Rückkehr zu normaleren Verhältnissen, wie wir alle sie uns wünschen. Auch wir haben uns da und dort für Verbesserungen zu Gunsten derer eingesetzt, die es in dieser Krise mit ihren Belastungen besonders schwer haben, weil sie am meisten zu leiden oder für uns alle zu ackern haben – aber diese Erleichterungen dürfen nicht so weit gehen, dass wir den Ast absägen, auf dem wir sitzen.“