Schleswig-Holsteins Jugendliche profitieren von internationalen Schulpartnerschaften

Kai Vogel: "Es ist beeindruckend, wie groß die absolute Zahl der Schulpartnerschaften und ihre regionale Streuung ist. Vor zwei Jahren gab es 505 derartige Partnerschaften, davon 435 mit Schulen in Europa und 70 in Nord- und Südamerika, in Asien und in Afrika."

Kai Vogel Bild: Foto: Michael August

REDE AUS DEM LANDTAG

(REDE WURDE ZU PROTOKOLL GEGEBEN)

TOP 51: Bericht über den Stand der Internationalisierungsstrategie für Schulen in Schleswig-Holstein (Drs. 19/3570)

„Kurz vor Ende der Legislaturperiode liefert die Landesregierung jetzt noch einige Berichte zu Feel-good-Themen, über die es keinen politischen Streit gibt. In so einem Bericht werden dann auch alle Selbstverständlichkeiten hineingerührt, und dass es Fremdsprachenunterricht an den schleswig-holsteinischen Schulen gibt, ist nun wirklich kein Thema für die Internationalisierungsstrategie, zu der sich die Landesregierung vom Landtag 2018 einstimmig auffordern ließ. Den Exkurs über die Regional- und Minderheitensprachen hätte man sich auch gänzlich sparen können. Die dänischen Schulen in Schleswig-Holstein sind die öffentlichen Schulen der dänischen Minderheit und nicht die Schulen des Königreichs Dänemark. Minderheitenpolitik ist nicht Außenpolitik!

Es ist beeindruckend, wie groß die absolute Zahl der Schulpartnerschaften und ihre regionale Streuung ist. Vor zwei Jahren gab es 505 derartige Partnerschaften, davon 435 mit Schulen in Europa und 70 in Nord- und Südamerika, in Asien und in Afrika. Ich war überrascht, dass in unserem Bundesland, das doch recht weit weg von Frankreich ist, fast ein Drittel der europainternen Partnerschaften mit Frankreich eingegangen werden, aber nur 12 % mit Dänemark und ganze 8 % mit anderen skandinavischen Länder. Natürlich wollen wir keine der bestehenden Partnerschaften irgendwie in Zweifel ziehen. Aber es werden ja auch in Zukunft Schulen vor der Entscheidung stehen, ob sie Partnerschaften aufnehmen wollen, und wenn ja, mit welchen Ländern. Übrigens können gerade größere Schulen ja auch mehr als eine Partnerschaft eingehen, so wie auch unsere größeren Städte am Ortseingangsschild recht lange Listen mit ausländischen Partnerstädten haben.

Keine Frage- das letzte Entscheidungsrecht muss bei der Schule selbst bleiben, aber wir sollten uns gemeinsam überlegen, ob und wie wir unseren Schulen Partner in Ländern nahelegen, wo der Kontakt vielleicht nicht ganz so einfach ist. Ich denke hier an einige ost- und südosteuropäische Länder, die in der Tabelle der Schulpartnerschaften nur selten oder gar nicht vorkommen. Es gibt derzeit ganze sieben Partnerschaften mit unseren südosteuropäischen EU-Partnern Bulgarien, Kroatien und Rumänien, und ganze zwei mit den Beitrittskandidaten Bosnien und Montenegro. Die anderen Beitrittskandidaten des Westbalkans wie Albanien, Kosovo, Serbien und Nordmazedonien sind noch gar nicht vertreten.

Für Jugendliche sind oft gerade diejenigen Projekte von besonderem Interesse, bei denen man auch mit Schwierigkeiten und Gegenwind zu rechnen hat und die mehr Engagement erfordern als nur ein quasi touristisches Austauschprogramm. Ein sehr schönes Beispiel für die Internationalisierung der Schulen sind die Europaschulen. Der Ansatz, dass eine Schule sich intensiver mit dem Thema Europa und dem Austausch mit anderen europäischen Schulen bemüht, ist wirklich lobenswert. Bei aktuell 48 Europaschulen von über 800 möglichen, ist die Zahl der anerkannten Europaschulen leider überschaubar. Sprechen Sie mit den Schulen, dann erfahren Sie, woran dies liegt. Der finanzielle Aufwand und insbesondere der personelle Aufwand ist recht hoch. Ich kenne Schulen, die Europaschulen waren, aber genau wegen des hohen personellen Aufwandes aus dem Programm ausgestiegen sind. Vielfach ruht das Programm auf wenigen Schultern oder gar nur einer Person. Um diese Schulen zu unterstützen, haben wir bereits 2018 mit einem Sachantrag zu den Europaschulen Ermäßigungsstunden für Lehrkräfte gefordert, die sich an einer Schule für das Thema Europa mit dem Programm der Europaschulen engagieren. Dies lehnten Sie ab, genau wie unseren Haushaltsantrag, der forderte, dass die finanzielle Unterstützung jeder Europaschulen auf das Niveau der Kulturschulen angehoben werden sollte. Uns sind die Europaschulen diese zusätzlichen Haushaltsmittel wert – Ihnen leider nicht.

Wir werden uns in der Zukunft mit allen Beteiligten darüber zu beraten haben, in welcher Form den Schulen zusätzliches administratives Personal zur Verfügung gestellt werden kann, das die Lehrerinnen und Lehrer bei den Aufgaben entlastet, die nicht mit dem Unterricht und der pädagogischen Betreuung der Schülerinnen und Schüler direkt verbunden sind.

Schade finde ich es besonders, dass nach wie vor deutsche Eltern ein großes Interesse daran haben, dass ihre Kinder Auslandsaufenthalte absolvieren, aber in weit geringerem Maß bereit sind, im Austausch dafür einen ausländischen Schüler oder eine ausländische Schülerin bei sich aufzunehmen. Partnerschaften können nur wechselseitig funktionieren. Wir sollten den Bericht im Bildungsausschuss weiter diskutieren und ihn auch in der nächsten Legislaturperiode als Arbeitsmaterial heranziehen. Das Thema ist dafür wichtig genug.“