Gute Pflege

Immer mehr Menschen in Schleswig-Holstein werden immer älter. Das ist gut so. Die daraus resultierenden Herausforderungen wollen wir positiv gestalten. Dabei steht immer der Mensch im Mittelpunkt unserer Entscheidungen. Vordringlich ist es, die Pflegeberufe so zu stärken, dass viele jungen Menschen motiviert werden, diesen Beruf zu ergreifen und ihn dauerhaft auszuüben. Unsere Seniorinnen und Senioren sind alt genug, um selber zu entscheiden, wie sie leben möchten. Dabei wollen wir sie unterstützen. Wir wollen dem Wunsch der meisten Menschen nachkommen und sicherstellen, dass sie solange wie möglich in der eigenen Häuslichkeit leben können. Für uns gilt das Prinzip „ambulant vor stationär“.

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Gute Pflege zukunftssicher organisieren

Neben guten Arbeitsbedingungen und angemessenen Löhnen wollen wir auch die Attraktivität der Pflegeberufe weiter steigern. Seit 2012 haben wir in der Pflege viel erreicht. Wir haben die Kapazität der Altenpflegeausbildung durch 700 zusätzliche landesgeförderte Ausbildungsplätze auf 2 100 erhöht. Damit ist die Ausbildung endlich kostenfrei. Wir haben ein duales pflegewissenschaftliches Studium an der Uni Lübeck eingerichtet.
Schleswig-Holstein beteiligt sich an einem Bundesprojekt, das die Pflegenden von zusätzlichen Dokumentationspflichten entlastet. Als erstes Bundesland haben wir eine Pflegeberufekammer auf den Weg gebracht. Andere Bundesländer folgen uns.

Pflegeausbildung reformieren

Wir setzen uns für ein Pflegeberufegesetz auf Bundesebene ein, das eine dreijährige kostenfreie generalistische, also gemeinsame Ausbildung der Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege, vorsieht. Sie schafft mehr Durchlässigkeit, steigert aufgrund vielfältiger Tätigkeitsfelder die Attraktivität des Pflegeberufes, sichert die Qualität und findet endlich den internationalen Anschluss für die Altenpflege. Im Rahmen der Ausbildung soll analog zu den Regelungen im dualen Berufsausbildungssystem die Fachhochschulreife erworben werden können.
Zudem werden wir einen zusätzlichen Assistenzberuf einführen, um auch jungen Menschen mit niedrigem Schulabschluss den Zugang zu Pflegeberufen zu ermöglichen. Die Ausbildung in den Pflegeberufen bleibt kostenfrei. Wichtig ist uns, die Durchlässigkeit in allen Feldern zu organisieren. Die Akademisierung der Pflege werden wir in Schleswig-Holstein weiter ausbauen.
Eine starke Pflegeberufekammer für starkes Personal
Mit der Einrichtung der Pflegeberufekammer stärken wir die beruflich Pflegenden und setzen um, was die Berufsverbände schon lange gefordert haben. Damit stellen wir eine wirkliche Beteiligung der beruflich Pflegenden in allen pflegerelevanten Gremien und Entscheidungen sicher. Die Errichtungsphase werden wir organisatorisch und finanziell unterstützen.
Eine Berufsordnung soll Grundlagen und Aufgaben der beruflichen Pflege in Abgrenzung zu anderen Berufsgruppen definieren. Das damit verbundene Ziel ist eine gute pflegerische Versorgung der Bevölkerung. Hierbei sind auch interkulturelle Kompetenzen bei der Pflege und medizinischen Versorgung zu berücksichtigen. Um den weiteren Herausforderungen besonders im ländlichen Raum durch Wegfall von Infrastruktur zu begegnen, werden wir die Rolle der Pflege in der Primärversorgung stärken.

Gute Pflege braucht Zeit

Mehr Zeit für die menschenzugewandte Pflege ist möglich, wenn die Pflegekräfte durch eine sinnvolle Reduzierung von Dokumentationsaufgaben entlastet werden. Mittlerweile wirken bereits über 30 % unserer stationären Einrichtungen sehr erfolgreich an der Entbürokratisierung mit. Diesen Prozess werden wir weiter begleiten. Doppelte Kontrollstrukturen, die die Einrichtungen belasten, werden wir reduzieren.

Gute Pflege braucht mehr Personal

Je höher der Personalschlüssel, desto besser ist die Patientensicherheit. Deshalb setzen wir uns für einen gesetzlichen Personalbemessungsschlüssel ein, der auf der Grundlage von gemeinsamen Pflegegraden auch bundesweite Personalzuordnung zur Folge hat. Selbstverständlich sichern wir die Fachkraftquote in den Einrichtungen.
Die freiberufliche Pflege ist und bleibt ein wichtiger ergänzender Pfeiler in der stationären und ambulanten Versorgung. Ihre rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen werden wir sichern, sodass Einrichtungen ohne gesetzliche Hürden kurzfristige personelle Engpässe kompensieren können. Dabei achten wir darauf, dass mindestens 80 % des Personals fest angestellt ist. Für den Ausbau von ambulant psychiatrischen Pflegediensten setzen wir uns weiter ein und bauen Hürden bei ihrer Gründung ab.

Pflege gut bezahlen

Ein Sozialtarifvertrag soll die massiven Einkommensunterschiede in den Pflegeberufen im Land angleichen. Es kann nicht sein, dass marktwirtschaftliche Interessen zu Gehaltsunterschieden von bis zu 800 Euro bei gleicher Qualifikation und Dauer der Berufszugehörigkeit führen. Für uns gilt: „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“.
Gute Beratung vor Ort
In den letzten Jahren ist es gelungen, trägerunabhängige Pflegestützpunkte in fast allen Kreisen und kreisfreien Städten zu etablieren. Diese werden wir weiter finanziell sichern. Auch das Pflegenottelefon ist eine wichtige Anlaufstelle für Pflegende und Pflegebedürftige in prekären Situationen.
Die individuelle Beratung für betroffene Menschen und Kommunen wird zunehmend wichtiger. Deshalb werden wir die KIWA, Koordinationsstelle für innovative Wohn- und Pflegeformen im Alter, weiter fördern. Wir möchten, dass die Kommunen mehr Gestaltungsmöglichkeiten bekommen und nutzen.
Der Ausbau kreativer Wohnformen heißt nicht, kreative Vermeidung von Heimaufsicht und Qualitätskontrolle, z. B. in sogenannten ambulant betreuten Wohngemeinschaften im Eigentum von Trägerstrukturen, die nicht den strengen Regeln der Heimaufsicht unterliegen.
Gute Versorgung auch im ländlichen Raum
Unser Ziel ist, dass Älterwerden auch bei zunehmenden Pflegebedarfen im gewohnten Lebensumfeld stattfinden kann. In vielen – besonders den ländlichen – Bereichen werden wir nicht mehr die gleiche Dichte an Hausarztpraxen haben wie zuvor. Deshalb streben wir eine bessere Vernetzung der Sektoren an. In Versorgungszentren wird das Angebot der hausärztlichen Versorgung ergänzt durch ambulante Pflegedienste und die Organisation von haushaltsnahen Dienstleistungen. Der Einsatz von E-Health und Telemedizin bietet zusätzliche Sicherheit.
Kurze Wege sichern eine bessere Kommunikation zur optimalen und kultursensiblen Versorgung der pflege- und hilfebedürftigen Menschen. Der Transport z. B. zum Einkauf, zum Facharzt oder zu Veranstaltungen kann über Bürgerbusse von diesen Einrichtungen organisiert werden.
Die Quartiers- und Dorfentwicklung orientiert sich an der Versorgung der Menschen, sichert Teilhabe und fördert das Miteinander der Generationen. Wir unterstützen die Kommunen auch finanziell im Aufbau dieser Versorgungszentren. Zum Beispiel wenn es darum geht, nicht mehr benötigte Schulen umzubauen. Niedrigschwellige, aufsuchende Beratung sichert eine frühzeitige Hilfe und verzögert Pflegebedürftigkeit. Außerdem bietet sich so eine gute Arbeitsplatzalternative für ältere Pflegefachkräfte.

Selbstbestimmt leben

Das Selbstbestimmungsstärkungsgesetz werden wir verbessern. Zukünftig sollen nur noch Einzelzimmer bzw. Pflegewohnungen, die aus mindestens einem Raum und einem dazugehörigen Badezimmer bestehen, in den stationären Einrichtungen der dauerhaften Pflege gebaut und angeboten werden. Doppelzimmer, in denen sich fremde Menschen ihren Lebensraum ohne jegliche Privatsphäre teilen müssen, lehnen wir ab. Das ist unwürdig. Für Partner stehen entsprechend größere Einheiten zur Verfügung. Die verschiedenen Wohnformen werden genauer definiert.
Freiheitsentziehende Maßnahmen wie z. B. das Fixieren von Menschen mit hohem Bewegungsdrang und Unruhe z. B. nach operativen Eingriffen oder bei Demenz wollen wir durch einen erhöhten Personaleinsatz und Anpassung von Räumlichkeiten nach modernsten Erkenntnissen auf ein medizinisch notwendiges Mindestmaß reduzieren.

Demenzplan umsetzen

Den Demenzplan für Schleswig-Holstein werden wir in Zusammenarbeit mit den Kommunen und den Experten aus der Pflege weiterentwickeln. Bei der Schaffung von Pflegeinfrastrukturen wird auf die besonderen Bedarfe demenziell Erkrankter Rücksicht genommen. Das Kompetenzzentrum Demenz hat dabei weiterhin eine beratende Funktion.
Gut leben im Alter
Immer häufiger kommt es zu Altersarmut. Das ist für uns nicht akzeptabel. Wir werden uns deshalb auf Bundesebene dafür einsetzen, dass das Rentenniveau wieder steigt und die Lebenssituationen z. B. Betreuung von Kindern und Pflege von Angehörigen stärkere Berücksichtigung findet. Dabei muss die solidarische, umlagefinanzierte gesetzliche Rentenversicherung die Hauptsäule der Alterssicherung sein.
Der barrierefreie Zugang wird für alle öffentlichen Anlagen und Einrichtungen organisiert. In neu zu gestaltenden Einkaufsmärkten sind Sitzgelegenheiten und Toiletten vorzuhalten. Wir setzen uns dafür ein, dass die Schriftgröße auf Lebensmittelverpackungen vereinheitlicht und gut lesbar ist. Das gilt auch für die IBAN auf Rechnungen und ÖPNV-Fahrplänen. Seniorenparkplätze sollen in angemessener Anzahl zur Verfügung stehen. Um Seniorinnen und Senioren vor Betrügereien zu schützen, schaffen wir zusätzliche Beratungs- und Informationsveranstaltungen z. B. bei den Verbraucherzentralen.

Das Lebensende

Unsere haupt- und ehrenamtlichen stationären und ambulanten Hospizdienste, die Palliativ-Care-Teams und Gruppen, die sich um Trauerarbeit kümmern, leisten eine wunderbare und unverzichtbare Arbeit. Sie verdienen unseren tiefen Respekt. Wir werden diese Tätigkeiten u. a. durch eine Koordinierungsstelle weiter unterstützen.
Eine räumliche Distanz belastet Familien in der Zeit des Abschiednehmens zusätzlich. Wir passen die Anzahl der stationären Hospizbetten und der Palliativbetten dem tatsächlichen Bedarf an und achten darauf, dass eine wohnortnahe Versorgung gewährleistet ist. Der Charta für schwerstkranke und sterbende Menschen werden wir uns anschließen. Den Runden Tisch Hospiz und Palliativ beim Landtag wollen wir verstetigen.