Hochschulpolitik

Unser Leitbild ist die soziale, gebührenfreie und offene Hochschule. Mit neuen Impulsen und viel Kreativität gestalten wir den Wissenschaftsraum Schleswig-Holstein. Wir sorgen für gute Forschung, gute Lehre sowie gute Bildung und fördern grenzüberschreitende Kooperationen, wie durch die Europa-Universität Flensburg.

Bild: nikolayhg (Pixabay)

Grundfinanzierung aufstocken

Seit 2012 haben wir viel für die Hochschulen erreicht. Die Grundhaushalte der Hochschulen werden von 2016 bis 2019 schrittweise um insgesamt 25 Mio. Euro angehoben. Zudem wurden die Landeszuschüsse für den Hochschulpakt III umgesetzt. Nach Auslaufen des Hochschulpaktes III werden wir 30 Mio. Euro aus Landesmitteln dauerhaft für die Finanzierung der Hochschulen zur Verfügung stellen.

Wir wollen unsere Hochschulen weiter stärken. Auch nach dem doppelten Abiturjahrgang rechnen wir mit hohen Studierendenzahlen. Die Hochschulen brauchen finanzielle Spielräume, um allen Studierenden ein gutes Studium zu ermöglichen. Die notwendigen Mittel für diese Herausforderung stellen wir zu Verfügung. Außerdem werden wir versuchen, die Tarifsteigerungen für die tariflich Beschäftigten in der Hochschulmedizin ab 2018 zu übernehmen.

Hochschulpakt verlängern

In dieser Legislaturperiode wurde der Hochschulpakt III geschlossen, um an Fachhochschulen und Universitäten zusätzliche Studienplätze zu schaffen. Bund und Land geben jeweils 225 Mio. Euro für die dritte Phase des Hochschulpakts von 2016 bis 2020/23.

Wir wollen eine bessere Finanzierung für unsere Hochschulen auch mithilfe des Bundes erreichen. Wir setzen uns für eine vierte Phase nach 2023 ein. Langfristig wollen wir, dass der Bund in die Grundfinanzierung der Hochschulen einsteigt.

Diversität nutzen

Die Studierendenschaft an unseren Hochschulen ist vielfältiger geworden. Beispielsweise nehmen immer mehr Menschen aus einem nichtakademischen Elternhaus ein Studium auf. Wir begreifen Vielfalt als Stärke. Deshalb wollen wir sie an unseren Hochschulen besonders fördern.

Wir werden die Arbeit und Beratungsangebote der Beauftragten für Diversität an den Hochschulen nach fünf Jahren bewerten. Zudem wollen wir die psychosoziale Beratung an den Hochschulen ausbauen, damit die Studierenden jederzeit eine Anlaufstelle haben, falls Probleme in ihrem Studium auftreten. Gemeinsam mit dem Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderungen starten wir eine Initiative zur barrierefreien Hochschule.

Bundesinitiativen aufnehmen

Es gibt zahlreiche bundesweite Pakte zur Hochschulentwicklung: die Exzellenzstrategie, der Hochschulpakt 2020, die Nachwuchsförderung, der Pakt für Forschung und Innovation, der Qualitätspakt Lehre, Forschung an Fachhochschulen, Innovative Hochschule sowie die Qualitätsoffensive Lehrerbildung. Wir wollen diese Initiativen in Schleswig-Holstein umsetzen und durch eigene Schwerpunkte ergänzen.

Wir starten Initiativen zur Entwicklung von Strategien zur Förderung der Forschung in SH („Zukunft Forschung“), Förderung der Lehre in SH („Zukunft Lehre“) und zur Förderung von Transfer, Digitalisierung und Innovation.

Der Wissenschafts- und Technologietransfer zwischen Hochschulen und Wirtschaft wird weiter gestärkt. Dazu wird das neu gegründete „Innovations- und Technologieforum“ zu einem Strategieforum weiterentwickelt, um den Technologiestandort Schleswig-Holstein zu stärken.

Gute Beschäftigung einfordern

Erstmals haben wir das Prinzip „Gute Arbeit“ im Hochschulgesetz verankert. Wir haben die Gleichstellung vorangebracht und Juniorprofessorinnen und -professoren bessere Perspektiven eröffnet. Auf Bundesebene haben wir uns dafür eingesetzt, dass es bei Novellierung des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes eine Mindestlaufzeit für Verträge der wissenschaftlichen Angestellten gibt.

Wir wollen gute Arbeitsbedingungen an unseren Hochschulen. Deshalb werden wir befristete Arbeitsverhältnisse reduzieren. Wir unterstützen Obergrenzen für Personalkosten statt starrer Stellenpläne. Voraussetzung ist, dass sich die Landesrektorenkonferenz und die zuständigen Gewerkschaften einigen. Auch die Arbeitsbedingungen der studentischen und wissenschaftlichen Hilfskräfte sind uns wichtig. Daher werden wir uns dafür einsetzen, dass die Studierenden im Personalrat eine Vertretung erhalten, welche sich explizit für die Forderungen der Studierenden einsetzt.

Studierbarkeit sichern

Wir haben ausreichend Studienplätze geschaffen und dafür gesorgt, dass diese auch genutzt werden können. Unser Ziel bleiben optimale Rahmenbedingungen für ein erfolgreiches Studium. Zu guten Studienbedingungen gehören ausreichend Wohnraum, gute Mensen, bedarfsgerechte Kinderbetreuung, hilfreiche Beratungsangebote und gute Lehre.

Die Studienbedingungen für junge Eltern sollen verbessert werden. Unser Partner bei der Erreichung vieler dieser Ziele ist das Studentenwerk. Wir unterstützen die Umbenennung in Studierendenwerk.

Außerdem wollen wir einen öffentlichen Nahverkehr, der den Bedürfnissen der Studierenden entgegenkommt. Ziel ist es, ein landesweites, bezahlbares Studierendenticket im Dialog mit den Studierendenschaften zu entwickeln.

Hochschulbau voranbringen

Wir haben den Hochschulbau mit 83 Mio. Euro unterstützt. Zudem haben wir 2013 mit der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel eine Sanierungsvereinbarung über 165 Mio. Euro geschlossen. Wir wollen den Investitionsstau weiter abbauen.

Das von uns geschaffene Programm IMPULS 2030 bietet zusätzlich die Möglichkeit, die Hochschulen in Schleswig-Holstein finanziell zu unterstützten. Das werden wir für auch Sanierungsvereinbarungen mit anderen Hochschulen des Landes nutzen.

Ethikkommissionen evaluieren

Wir haben Ethikkommissionen an den Hochschulen eingerichtet. Diese haben das Recht Forschungsprojekte kritisch zu überprüfen. Wir wollen Hochschulen, die sich sozialen und ethischen Werten verpflichtet fühlen und sie einhalten. Wir werden die Arbeit der neuen Ethikkommissionen nach fünf Jahren evaluieren und das Konzept ggf. anpassen.

Hochschule 4.0 entwickeln

Auf dem Weg zur Hochschule 4.0 haben wir eine Strategie für den freien Zugang zu wissenschaftlicher Literatur und Forschungsergebnissen in Schleswig-Holstein entwickelt (Open Access). Wir wollen die Digitalisierung in Schule und Hochschule kontinuierlich voranbringen. Open Access ist dafür eine wichtige Grundlage. Der freie Zugang zu wissenschaftlichen Arbeiten ist ein Turbo für Lehren und Lernen.

Die Strategie von Open Access werden wir im Dialog mit den Hochschulen umsetzen. Wir brauchen digitale Lehrangebote als Ergänzung zum klassischen Präsenzangebot (Blended Learning) und schaffen so neue, weltweite Zugänge.

Vorlesungen und einzelne Unterrichtseinheiten sollen künftig digital und barrierefrei in Absprache mit den Lehrenden verfügbar gemacht werden. Zudem wollen wir ein Weiterbildungsangebot für Lehrende an Schulen und Dozierende an Hochschulen ermöglichen, damit die digitalen Medien in geeigneter Form Verwendung finden.

Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) neu bauen

Der Neubau des UKSH hat begonnen. Das Gesamtprojekt weist über eine Laufzeit von 30 Jahren ein Volumen von rund 1,7 Mrd. Euro aus. Wir wollen das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) in sehr gutem Zustand erhalten. Es ist der größte Arbeitgeber im Land, der größte Träger der medizinischen Maximalversorgung in Norddeutschland und ein Eckpfeiler der exzellenten ärztlichen Ausbildung in Schleswig-Holstein.

Dafür halten wir an der Einheit des UKSH mit Standorten in Kiel und Lübeck fest. Auch werden wir es in öffentlicher Trägerschaft halten. Mit den Personalvertretungen und den Gewerkschaften im UKSH bleiben wir im Dialog.

International sichtbar bleiben

Mit einem Hochschulgipfel haben wir die deutsch-dänische Kooperation gestärkt. Internationaler Austausch ist für exzellente Forschung unerlässlich. Deshalb wollen wir ihn weiter verbessern. Wir fördern die internationale Sichtbarkeit unserer Hochschulen durch neue Kooperationsmodelle und werden eine neue Strategie „Hochschule international“ auf den Weg bringen.

Die enge Kooperation mit dänischen Hochschulen wird fortgesetzt. Darüber hinaus setzen wir uns dafür ein, dass es mehr englischsprachige Studiengänge in Schleswig-Holstein gibt. Dies bietet auch Geflüchteten sowie internationalen Studierenden einen schnelleren und nahtloseren Übergang.

Fachhochschulen stärken

Wir haben ein neues „Promotionskolleg Schleswig-Holstein“ geschaffen. Damit schaffen wir neue Karrierechancen an den Fachhochschulen. Wir wollen sie weiter stärken. Sie sind wichtige Partner in Lehre und Forschung. Deshalb werden wir uns auf Bundesebene für ein spezielles Förderprogramm, ähnlich der Exzellenzinitiative, ausschließlich für Fachhochschulen einsetzen.

Starke Forschung in Schleswig-Holstein

In Schleswig-Holstein gibt es starke Spitzenforschung. Das betrifft nicht nur die beiden Exzellenzcluster „Future Ocean“ und „Inflammation at Interfaces“. Auch das Helmholtz-Institut für Ozeanforschung GEOMAR, das Helmholtz-Zentrum Geesthacht für Material- und Küstenforschung, das Forschungszentrum Borstel, das Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) sowie das Institut für Weltwirtschaft sind international sichtbare Leuchttürme.

Hinzu kommen das Zentrum für baltische und skandinavische Archäologie (ZBSA), das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, das Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie, das Fraunhofer-Institut für Siliziumtechnologie (ISIT), die Fraunhofer-Einrichtung für Marine Biotechnologie (EMB) und die Deutschen Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften. Genauso gilt das für das Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft (ZBW) und zahlreiche exzellente Forschungseinrichtungen und Forschungsbereiche an den Hochschulen.

Schleswig-Holstein geht mit fünf Exzellenzcluster-Anträgen in den Wettbewerb der dritten Exzellenz-Runde. Es sollen langfristig profilbildende Strukturen daraus entstehen.

Weitere Einrichtungen und Projekte werden dazukommen, um die Stärken unserer Forschungslandschaft auszubauen. Nachdem wir Energiewende-Musterland geworden sind, wollen wir auch bei Wissenschaft und Forschung Vorreiter werden. Dazu werden wir außeruniversitäre Forschungseinrichtungen in neue Kooperationen einbinden. Forschungsschwerpunkte in den Bereichen erneuerbare Energien und Speichertechnologie werden wir ausbauen.

Der European XFEL, eine Röntgen-Laser-Anlage, die in unterirdische Tunnelröhren eingebaut wird, reicht vom DESY-Gelände in Hamburg nach Schenefeld, wo ein Forschungscampus von Weltrang mit einer großen Experimentierhalle entsteht. Hiervon wird auch das Zentrum für strukturelle Systembiologie (CSSB) profitieren. Nachdem Schleswig-Holstein unter der letzten Landesregierung aus diesem Gemeinschaftsprojekt ausgestiegen war, sind wir jetzt wieder ein verlässlicher Partner. Die Fertigstellung soll 2017 abgeschlossen sein.