Hochschulpolitik

Auch für die Zukunft sind wir davon überzeugt, dass wir eher mehr als weniger Menschen mit einem akademischen Abschluss brauchen. Gerade jetzt, wo das Land über hohe Einnahmen verfügt, müssen die Hochschulen in die Lage versetzt werden, mehr Studierende aufzunehmen und auch neue Schwerpunkte zu setzen, die dem gesellschaftlichen Wandel Rechnung tragen.

Bild: nikolayhg (Pixabay)

Hochschulfinanzierung

Wir haben in unserer Regierungsverantwortung die Hochschulen durch erhöhte Zuschüsse und durch die Umsetzung des Hochschulpaktes III gestärkt. Sie waren dadurch in der Lage, den doppelten Abiturientenjahrgang zu verkraften.

Auch für die Zukunft sind wir davon überzeugt, dass wir eher mehr als weniger Menschen mit einem akademischen Abschluss brauchen. Gerade jetzt, wo das Land über hohe Einnahmen verfügt, müssen die Hochschulen in die Lage versetzt werden, mehr Studierende aufzunehmen und auch neue Schwerpunkte zu setzen, die dem gesellschaftlichen Wandel Rechnung tragen.

Wir setzen uns dafür ein, dass das Land nicht nur die Hochschulen, sondern auch die Hochschulmedizin von den Tarifsteigerungen entlastet, die sich aus dem günstigen Tarifabschluss für den Öffentlichen Dienst 2019 ergeben haben.

Wir setzen uns dafür ein, dass das finanzielle Engagement des Bundes für die Hochschulen verlängert wird, dass es nach dem Auslaufen des Hochschulpakts III eine vierte Phase gibt und dass der Bund langfristig in die Grundfinanzierung der Hochschulen einsteigt.

 

Diversität ist eine Stärke

Die Studierenden an unseren Hochschulen sind heute weit vielfältiger als in der Vergangenheit, auch was ihre Lebenssituation und was ihren Weg an die Hochschule angeht. Immer mehr Menschen beginnen als erste aus ihrer Familie ein Studium. Immer mehr Menschen haben neben dem Studium zusätzliche Herausforderungen zu bewältigen; manche müssen ihre Rolle als Mutter oder Vater mit den Anforderungen des Studiums vereinbaren, andere müssen Angehörige neben ihrem Studium pflegen.

Deswegen muss auch der Ablauf eines Studiums flexibler werden und sich diesen veränderten Lebensbedingungen anpassen. Das muss auch Auswirkungen auf die Höchstdauer der finanziellen Förderung und auf Prüfungsfristen haben. Eine Bescheinigung für Seminarteilnahmen darf nicht allein deswegen verloren gehen, weil eine Studierende im Semester öfter als zweimal mit ihrem Kind zum Arzt musste.

Wir haben an den Hochschulen Beauftragte für Diversität eingerichtet, deren Arbeit ausgewertet werden muss. Auch fordern wir, die psychosoziale Beratung an den Hochschulen auszubauen.

Wir unterstützen den Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderungen darin, dass die Hochschulen barrierefrei werden müssen.

 

Arbeitsplatz Hochschule

Erstmals haben wir das Prinzip „Gute Arbeit“ im Hochschulgesetz verankert. Wir haben die Gleichstellung vorangebracht und Juniorprofessorinnen und -professoren bessere Perspektiven eröffnet. Auf Bundesebene haben wir uns dafür eingesetzt, dass es bei Novellierung des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes eine Mindestlaufzeit für Verträge der wissenschaftlichen Angestellten gibt.

Wir wollen gute Arbeitsbedingungen an unseren Hochschulen. Deshalb werden wir befristete Arbeitsverhältnisse reduzieren. Wir unterstützen Obergrenzen für Personalkosten statt starrer Stellenpläne. Voraussetzung ist, dass sich die Landesrektorenkonferenz und die zuständigen Gewerkschaften einigen. Auch die Arbeitsbedingungen der studentischen und wissenschaftlichen Hilfskräfte sind uns wichtig. Daher werden wir uns dafür einsetzen, dass die Studierenden im Personalrat eine Vertretung erhalten, welche sich explizit für die Forderungen der Studierenden einsetzt.

 

Studieren muss möglich sein

Wir setzen uns für optimale Rahmenbedingungen für ein erfolgreiches Studium ein. Dazu gehören ausreichender und bezahlbarer Wohnraum, gute Mensen, bedarfsgerechte Kinderbetreuung, problemorientierte Beratungsangebote und gute Lehre. Unser wichtigster Partner dabei ist das Studentenwerk, das künftig besser „Studierendenwerk“ heißen sollte.

Die Schaffung von studentischem Wohnraum durch das Studentenwerk kann natürlich niemals den kompletten Bedarf abdecken. Wir unterstützen Werbemaßnahmen der Städte, die Hoch-chulstandorte sind, für die Bereitstellung von Zimmern und Wohnungen für Studierende.

Eines unserer wichtigsten Anliegen ist in greifbare Nähe gerückt: ein landesweites, bezahlbares Studierendenticket, das im Dialog zwischen den Studierendenschaften und den Verkehrsunternehmen entwickelt wurde. Dies ist auch ein wichtiger Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz.

 

Hochschulbau

Der Studienerfolg hängt auch davon ab, ob die Hochschulen für Vorlesungen, Seminare, Kurse und Übungen ausreichend ausgestattete Räume haben. Wir haben in unserer Regierungsverantwortung den Hochschulbau mit 83 Mio. € unterstützt und mit der CAU eine Sanierungsvereinbarung über insgesamt 165 Mio. € geschlossen. Darüber hinaus bietet das von uns eingerichtete Programm IMPULS 2030 weitere Möglichkeiten zur Unterstützung der Hochschulen und ihrer Infrastrukturen.

 

Forschung und Ethik

Wir haben die Hochschulen verpflichtet, Ethikkommissionen einzurichten, die Forschungsprojekte kritisch daraufhin überprüfen sollen, ob sie mit sozialen und ethischen Normen vereinbar sind.

Es hat dazu auch Skepsis seitens der Hochschulen gegeben, auch wegen des „Double Use“, also der Möglichkeit, eine zivile technische Entwicklung auch militärisch zu nutzen – und umgekehrt.

 

Hochschule 4.0 entwickeln

Auf dem Weg zur Hochschule 4.0 haben wir eine Strategie für den freien Zugang zu wissenschaftlicher Literatur und Forschungsergebnissen in Schleswig-Holstein entwickelt (Open Access). Wir wollen die Digitalisierung in Schule und Hochschule kontinuierlich voranbringen. Open Access ist dafür eine wichtige Grundlage.

Die Strategie von Open Access werden wir im Dialog mit den Hochschulen umsetzen. Wir brauchen digitale Lehrangebote als Ergänzung zum klassischen Präsenzangebot (Blended Learning) und schaffen so neue, weltweite Zugänge.

Vorlesungen und einzelne Unterrichtseinheiten sollen künftig digital und barrierefrei in Absprache mit den Lehrenden verfügbar gemacht werden. Zudem wollen wir ein Weiterbildungsangebot für Lehrende an Schulen und Dozierende an Hochschulen ermöglichen, damit die digitalen Medien in geeigneter Form Verwendung finden.

 

Universitätsklinikum in öffentlicher Hand

Wir haben den Neubau des UKSH eingeleitet; dafür werden über dreißig Jahre verteilt rund
1,7 Mrd. € (nach jetzigem Stand) ausgegeben werden.

Das ist die Voraussetzung dafür, dass die Krankenversorgung besser und menschlicher gestaltet wird und dass die Ausbildung der künftigen Ärztinnen und Ärzte auf hohem Niveau stattfinden kann.

Zugleich ist das UKSH der größte Arbeitgeber im Land, der größte Träger der medizinischen Maximalversorgung in Norddeutschland und der größte Träger der medizinischen Maximalversorgung. Für uns bleibt es dabei, dass das UKSH in öffentlicher Trägerschaft bleiben muss. Wir halten auch an der Einheit des Unternehmens mit zwei Standorten in Kiel und Lübeck fest. Darüber besteht Einigkeit zwischen uns und den Personalvertretungen und Gewerkschaften am UKSH.

 

Schleswig-Holsteinische Hochschulen in Europa

Wissenschaft funktioniert heute nur in internationaler Vernetzung. Gemeinsame Studienangebote und gemeinsame Forschungseinrichtungen mit unseren Nachbarländern, aber auch mit Staaten, die weiter entfernt liegen, sind heute eine Selbstverständlichkeit, ebenso wie ein Auslandssemester, nicht nur für Sprachstudenten.

Wir begrüßen es, dass viele unserer Hochschulen deshalb auch englischsprachige Studiengänge anbieten. Das eröffnet neue Chancen für qualifizierte Geflüchtete und ausländische Studierende.

 

Fachhochschulen stärken

Fachhochschulen sind keine Hochschulen zweiter Klasse. Wir stellen immer wieder fest, dass es sehr schwierig ist, im Ausland den Unterschied zwischen Universitäten und Fachhochschulen zu erklären. Deshalb haben wir ein „Promotionskolleg Schleswig-Holstein“ geschaffen, das es Fachhochschulstudierenden ermöglicht, in Zusammenarbeit mit einer Universität den Doktortitel zu erwerben.

Wir setzen uns auf Bundesebene für ein besonderes Förderprogramm ein, das sich nach dem Vorbild der Exzellenzinitiative ausschließlich an Fachhochschulen richtet.

 

Forschung in Schleswig-Holstein

Beim letzten bundesweiten Wettbewerb war die Christian-Albrechts-Universität in Kiel mit zwei von drei Forschungsclustern bei der Exzellenzinitiative erfolgreich. Das ist ein großer Erfolg, der das Vorurteil widerlegt, dass Spitzenforschung fast nur in Süddeutschland stattfindet.

Auch deshalb setzen wir uns für eine stärkere Finanzierung der Hochschulen ein.

 

Eigenverantwortung der Hochschulen

Unter sozialdemokratischer Regierungsverantwortung ist in den letzten drei Jahrzehnten die Eigenverantwortung der Hochschulen entscheidend ausgeweitet worden, das reicht von den Globalzuschüssen statt detaillierter Haushaltspläne des Landes bis hin zu einer Stärkung der Selbstverwaltungsorgane der Hochschulen.

Wir treten für ein Maximum an hochschulinterner Demokratie ein. Hochschulorgane müssen überall da paritätisch zusammengesetzt sein, wo nicht das Bundesverfassungsgericht Grenzen wegen der Freiheit von Forschung und Lehre setzt. Dazu gehört natürlich auch eine starke Ver-fasste Studierendenschaft.

Wir treten dafür ein, dass die Hochschulen selbst auftretende Streitfragen verantwortungsbewusst löst. Wo die Rechtssicherheit es erfordert, wird das Land von seiner Gesetzgebungskompetenz Gebrauch machen.